Tarnfarben / Dual Use

Hier werden regelmäßig zentrale Artikel zur militärischen Nutzung von KI und Big Data dokumentiert und zusammengfasst oder kommentiert.

12.11.2019: Atos, Thales und der zukünftige EU-Kommissar für Industrie, Rüstung und Weltraum

Mitte Oktober schlug die französische Regierung Thierry Breton als zukünftigen Industriekommisar der EU unter von der Leyen vor. Ein Artikel auf Telepolis nimmt dies zum Anlass, die bisherigen industriepolitischen Aktivitäten Bretons zusammenzufassen und zu beschreiben, wie offenbar systematisch eine EUropäische Industrie für digitale Rüstung aufgebaut wird:

EU-Kommission: (Diese) Industriepolitik ist Rüstungspolitik
Mit Thierry Breton, künftiger Industriekommissar und Generaldirektor für Verteidigung und Weltraum, zum KI-Airbus?


Zum 1. Dezember 2019 soll die neue EU-Kommission unter der ehemaligen deutschen Verteidigungsministerin von der Leyen ihre Arbeit aufnehmen. Erstmals wird dem Kommissariat für Industrie auch eine Generaldirektion für Verteidigung und Weltraum unterstehen. Frankreich hat für dieses Amt Thierry Breton vorgeschlagen, der bereits zuvor wichtige industrielle Weichenstellungen für die Digitalisierung der Streitkräfte begleitet hat. Könnten damit Thales und Atos zukünftig in einem europäischen Großkonzern für Künstliche Intelligenz nach dem Vorbild von Airbus aufgehen und wer wären die deutschen Partner hierbei?

Weiterlesen bei Telepolis...

Oktober 2019: Erster Bericht des BMVg zur Digitalen Transformation

Der Bericht erklärt die Digitale Transformation zum "'Megathema der Bundeswehr in der nächsten Dekade'", "Führungsaufgabe" und "Chefsache":

Unter Digitalisierung versteht der Geschäftsbereich BMVg die zielgerichtete Identifikation und das konsequente Ausschöpfen von Potenzialen, die sich aus digitalen Technologien ergeben. Folglich geht Digitalisierung über die Einführung technischer Innovationen weit hinaus. Sie beeinflusst die gesamte Handlungs- und Denkweise im Geschäftsbereich BMVg.

Der Bericht unterscheidet grundsätzlich zwei Anwendungsfelder der Digitalisierung. Einerseits in den Streitkräften selbst, andererseits in der Verwaltung:

Für die Streitkräfte ist die Digitalisierung der Schlüssel zur Informations-, Führungs- und Wirkungsüberlegenheit wie auch zur Verbesserung der Durchsetzungs- und Reaktionsfähigkeit... Im Rahmen des Verwaltungshandelns verspricht die Nutzung digitaler Technologien eine Steigerung der Effizienz und damit das Freisetzen personeller Ressourcen für den Kernauftrag.

Hinsichtlich der Landstreitkräfte wird weiter ausgeführt:

Die Digitalisierung ermöglicht eine optimierte Kampfweise der Landstreitkräfte ('verteiltes Operieren'). Das bedeutet, aus der streitkräfteübergreifenden weitreichenden Überwachung großer Räume kommend, durch Verknüpfung aller Sensoren in einem gemeinsamen Lagebild („gläsernes Gefechtsfeld“) und abgestützt auf eine umfassende Vernetzung aller Sensoren und Wirkmittel („Sensor to Shooter Konzept“), können digitalisierte Landstreitkräfte stets eine zeitgerechte und angemessene Gegenkonzentration streitkräfteübergreifend abrufen. Mit anderen Worten: Die Digitalisierung ist eine Voraussetzung dafür, dass es den Landstreitkräften ermöglicht wird, mit dem gleichen Kräfteansatz von „heute“ ihre Aufträge von „morgen“ bzw. „übermorgen“ effizienterund effektiver erfüllen können.

Auffallend ist, dass zumindest vonseiten des BMVg die Digitalisierung der Bundeswehr eingebettet ist in die gesamtstaatlichen Ansätze zur Digitalisierung:

Den nationalen politischen Rahmen für die Digitale Transformation des Geschäftsbereichs BMVg bildet die aktuelle Umsetzungsstrategie der Bundesregierung „Digitalisierung gestalten“ vom März 2019. In dieser konzentriert sich die Bundesregierung auf Schwerpunktvorhaben, die die einzelnen Bundesministerien identifiziert haben. Ziel ist es, sowohl in der Zusammenarbeit zwischen den Bundesministerien als auch in Kooperation mit Wirtschaft und Wissenschaft Synergieeffekte zu nutzen.

Entsprechend wird auch der Nutzen ziviler bzw. von Dual-Use-Forschung und Technologie mehrfach betont:

Die übergeordneten Trends der Digitalisierung (z.B. künstliche Intelligenz, 5G) werden aktuell durch zivil geprägte Entwicklungen gesetzt. Aus militärischer Sicht ist hier ein enger Austausch zwischen EU- und NATO-Aktivitäten elementar. Generell bietet die Digitalisierung die Möglichkeit, Streitkräfte multinational zu verzahnen und vertiefend zu integrieren.

Der Bericht erscheint dabei als Fortschreibung der

* Strategischen Leitlinie Digitalisierung und der

* Umsetzungsstrategie Digitale Bundeswehr

Auch organisatorisch wären bereits Voraussetzungen geschaffen worden, u.a. durch den

* Aufbau des Organisationsbereichs Cyber- und Informationsraum und die

* Bildung einer Abteilung Cyber/Informationstechnik im BMVg

Außerdem seien folgende "Innovationselemente" geschaffen worden bzw. im Aufbau:

* Der Cyber Innovation Hub "identifiziert Entwicklungen aus der Start-Up-Szene und soll sie für die Bundeswehr nutzbar machen";

* die Cyberagentur ist "in Zusammenarbeit mit dem Bundesministerium des Innern, für Bau und Heimat, im Entstehen begriffen, um mittel- und langfristige technologische Entwicklungen in der Cybersicherheit frühzeitig erkennen und beauftragen zu können";

* das Forschungsinstitut CODE an der Universität der Bundeswehr in München soll zugleich "Grundlagenforschung im Bereich Cyber" betreiben und "die wissenschaftlichen Ausbildungskapazitäten in einschlägigen Fachdisziplinen" erweitern.

Darüber hinaus werden u.a. genannt:

* die "Cyber-Reserve", welche "nicht nur für ehemalige Soldaten mit Cyber- und IT-Expertise offen[steht], sondern ... einem weiteren Personenkreis zugänglich [ist], z.B. Wissenschaftlern, Geschäftsführern von IT-Unternehmen oder Angehörigen von Nicht-Regierungsorganisationen;

* der Digitale Campus, bestehend aus einem Digitalrat, einem Digitallabor und einer Digitalgalerie. Der Digitalrat besteht aus "Mitgliedern aus Wissenschaft, Wirtschaft, Gesellschaft sowie aus dem Geschäftsbereich BMVg" und soll die Digitale Transformation als Impulsgeber und in beratender Funktion begleiten;

* das Systemzentrum Digitalisierung Land unter Federführung des Heeres und als Schnittstelle der verschiedenen Organisationsbereiche soll u.a. eine "Test- und Versuchsstruktur" bereitstellen, um "iterativ und der Innovationsgeschwindigkeit angepasst digitale Technologien zu testen und für die Streitkräfte so schnell wie möglich zu adaptieren.
.

13. August 2019: Handelsblatt zum Thema Technologiekonflikt

Das Handelsblatt veröffentlicht ein Interview mit dem Chef des Halbleiterherstellers Infineon, Reinhard Ploss, in dem dieser den Handelsstreit mit China als Technologie-Konflikt beschreibt. Einleitend schreibt das Handelsblatt:

„Der globale Machtkampf wird nicht mehr nur militärisch und wirtschaftlich ausgetragen“, betont Kaan Sahin, Reserach Fellow bei der Deutschen Gesellschaft für Auswärtige Politik (DGAP). „Neue Technologien sind dabei zu einem übergeordneten Konfliktfeld geworden.“

Im Interview selbst sagt Ploss:

Die USA haben seit Jahrzehnten eine technologische Führungsrolle, in die China sich entwickeln will. Die USA versuchen jetzt, China auf Abstand zu halten. Die Volksrepublik hat sich zum Beispiel bei Künstlicher Intelligenz (KI) beeindruckend entwickelt. Dass sich die USA um ihre Spitzenposition sorgen, ist nachvollziehbar. Damit ist der Handelskonflikt eigentlich ein Technologiekonflikt.

August 2019: Positionspapier des Amtes für Heeresentwicklung

Das Amt für Heeresentwicklung hat im Rahmen seines Programms Technology meets Capabilities (TmC) in den Jahren 2018/2019 in Kooperation mit der Fraunhofer Gesellschaft eine Veranstaltungsreihe zum Thema KI in den Landstreitkräften bei dem über 30 Anwendungsmöglichkeiten identifiziert wurden. Außerdem ging hieraus das im August 2019 veröffentlichte Positionspapier des Amtes "Künstliche Intelligenz in den Landstreitkräften" hervor, das in seinen Forderungen - zumindest für ein öffentlich zugängliches Dokument - relativ weit geht. Es beginnt mit einem Szenario, das tatsächlich ziemlich nach Science Fiction klingt:Titelseite des Positionspapiers

Bereits seit Tagen wehren eigene Cyberkräfte feindliche Hackerangriffe ab. Jetzt ist auch Fuchs mit Angriffen des Gegners konfrontiert. Noch können die gegnerischen Drohnenangriffe durch die eigenen Laser- und Luftabwehrwaffen erfolgreich abgewehrt werden. Dennoch muss Fuchs mit ansehen, wie im laufenden Verteidigungsgefecht die eigenen Kräfte zunehmend gebunden werden.
Im Brigadegefechtsstand fällt deshalb die Entscheidung die Verteidigung mit Kräften des TaUAS-Bataillons (Tactical Unmanned Aerial System) zu unterstützen. Kurze Zeit später findet sich Major Wolf, Kompaniechef der zweiten Kompanie, im Bataillonsgefechtsstand des UAS-Bataillons der Brigade ein. Ihm unterstellt sind insgesamt vier Züge mit jeweils 5000 TaUAS — die größten mit einer Spannweite von über einem Meter, die kleinsten, kleiner als ein Tennisball. Kurze Zeit später ist die TaUAS-Kompanie in Marsch gesetzt. Sie haben den Auftrag das Bataillon von Oberstleutnant Fuchs zu unterstützen.
Im Einsatzraum angekommen, geht der erste UAS-Zug in zwei alten und leerstehenden Industriegebäuden in Stellung. Die Luken der Transportfahrzeuge öffnen sich und 5000 UAS fliegen aus den Fahrzeugen. Sie formieren sich zu unterschiedlichen Schwärmen. Der Schwarm aus mehreren hundert Sensor-UAS erreicht gar eine Ausdehnung von über zwei Kilometern im Durchmesser und ist mit hochauflösenden Kameras ausgestattet. Andere Schwärme wiederum haben die Aufgabe gegnerische Drohnen zu stören oder dienen als Relais zur Kommunikation der eigenen UAS. Andere sind mit kleinsten Wirkmitteln zum Angriff gegnerischer Sensorik und zur Markierung bzw. Verfolgung von Zielen ausgestattet und zudem in Lage eine verlegefähige UAS-Sperre zu bilden. Ein Counter-UAS-Schwarm ist darauf trainiert, feindliche UAS abzufangen und zu vernichten. Bereits nach wenigen Minuten haben alle 5000 Systeme die Transportfahrzeuge verlassen und sind mit bloßem Auge nicht mehr wahrzunehmen. Nur die entfernte und leise summende Geräuschkulisse lässt erahnen, was hier gerade im bodennahen Luftraum geschieht.
Major Wolf hat in der Zwischenzeit Verbindung mit Oberstleutnant Fuchs aufgenommen. Bedingt durch die verfügbare Sensordatenfusion können beide auf ein gemeinsames Lagebild in ihren Battle Management Systemen zurückgreifen. Die Sensor-UAS, der Gefechtsfahrzeuge von Fuchs ́ Bataillon, haben sich in den Schwärmen des TaUAS-Zuges eingegliedert und reichern das Lagebild verzugslos zusätzlich mit Informationen an. Aufgeklärte gegnerische Kräfte werden hoch automatisiert klassifiziert und in Bezug auf die gegnerische Gefechtsgliederung zugeordnet. Die vermutete Feindabsicht wird permanent aktualisiert.

Wie gesagt geht das Papier wesentlich auf die Zusammenarbeit mit der Fraunhofer Gesellschaft zurück. Womöglich auch deshalb wird die Bedeutung der Wissenschaft an verschiedenen Stellen hervorgehoben:

In stark automatisierten und autonomen Systemen definiert sich die Überlegenheit ganz wesentlich über die Qualität der Algorithmen, der Rechenleistung und den Grad der Miniaturisierung. Ein Generationswechsel in IT-Hardware oder KI kann häufig den Faktor zwei in der Effektivität zur Folge haben. Da diese Komponenten praktisch komplett auf Dual-Use beruhen, bestimmt die Geschwindigkeit der zivilen Entwicklungen auch das Tempo des Wettrüstens im internationalen Umfeld... Die zu beobachtende Dynamik in der zivilen IT- und KI-Entwicklung machen deutlich, dass derzeitige Rüstungsprozesszyklen zu viel Zeit erfordern, um mit konkurrenzfähigen Produkten auf dem Gefechtsfeld von morgen bestehen zu können. Konsequent modular aufgebaute Systeme könnten hier, insbesondere in Verbindung mit einem Dual-Use-Ansatz und regelmäßigen Kampfwertsteigerungen, eine Verbesserung erreichen.

KI ist eine Hochtechnologie, die erhebliche Expertise und Entwicklungsaufwand erfordert, um zu leistungsstarken und einsatztauglichen Lösungen zu gelangen. Hierbei ist die Nutzung von Dual-Use-Produkten und Anwendungen sowie neusten zivilen Forschungsergebnissen der Schlüssel zur Schaffung von bezahlbaren und konkurrenzfähigen Lösungen.

Besonders wird Dual-Use auf dem Gebiet der Bildauswertung betont...

In Anlehnung an die zivile Entwicklung verfolgt die Digitalisierung in den Streitkräften die Automatisierung der Prozesse auf dem Gefechtsfeld. Waffensysteme von morgen werden insbesondere im Sensor-to-Shooter-Konzept hochautomatisiert agieren müssen. Ohne militärische Nutzbarmachung der neuen Fähigkeiten im Bereich der KI wird der erforderliche Automatisierungsgrad nicht erreicht werden können. Ein gutes Beispiel hierfür ist die für Zielerfassung und Zielidentifikation erforderliche Bilddatenauswertung.

... und auf dem Gebiet der Situationserkennung / Verhaltensvorhersage:

KI erlaubt das Erkennen von typischen Mustern in Prozess- und Verhaltensmodellen. Im Zusammenwirken mit klassischen Bildverarbeitungsverfahren kann ein leistungsstarker Vergleich von Bildinformationen (im Sinne von vorher, nachher) realisiert werden. Die automatische Erhebung von umfangreichen Datensätzen mit modernen Sensoren erlaubt den Aufbau von großen Datenbeständen als Basis für Anomalie-Erkennung und Vorhersage von Verhalten.
Der Ansatz überträgt die zivile Idee des Pre-Crime auf militärische Anwendungen. Das System sammelt konsequent alle verfügbaren Daten über den Einsatzraum. Dies sind sowohl Inhalte aus Internet und anderen öffentlichen Medien, als auch Ergebnisse nachrichtendienstlicher Informationsgewinnung im Einsatzraum. Diese Daten werden mit Hilfe von KI-Verfahren mit beobachteten Ereignissen korreliert. Ziel ist die Aufklärung von Zusammenhängen, die eine Frühindikation von Gefahrensituationen bereits in der Vorbereitungsphase des Gegners zulassen.

 

12. Juli 2019: Pentagon veröffentlicht Strategie zur digitalen Modernisierung

Das US-Verteidigungsministerium veröffentlicht die Digital Modernizaton Strategy. Im Vorwort wird deren Ziel folgendermaßen erklärt:

Ausschnitt aus dem Titelblatt der Modernisierungsstrategie
Ausschnitt aus dem Titelblatt der Modernisierungsstrategie

The Digital Modernization Strategy provides a roadmap to support implementation of the National Defense Strategy lines of effort through the lens of cloud, artificial intelligence, command, control and communications and cybersecurity.
This approach will enable increased lethality for the Joint warfighter, empower new partnerships that will drive mission success, and implement new reforms enacted to improve capabilities across the information enterprise.

Dies soll u.a. durch die Einrichtung eines Joint Artificial Intelligence Center (JAIC) erreicht werden, der eng mit der Industrie zusammenarbeiten soll:

Cloud and cognitive computing will significantly alter warfighting and defense business operations. Recognizing this, the Department established the Joint Artificial Intelligence Center (JAIC) to accelerate delivery of AI-enabled capabilities and is partnering with industry to securely deliver commercial cloud capabilities in alignment with mission requirements...

The commercial sector is in the midst of a revolution in AI that is reshaping business and society. The 2018 NDS highlights that AI “will change society and, ultimately, the character of war.” The JAIC will accelerate DoD’s adoption and integration of AI capabilities at speed and scale.

11. Juni 2019: Kleine Anfrage zu KI und Bundeswehr

Die Bundestagsfraktion der sog. "Alternative für Deutschland" hat eine Kleine Anfrage zur "Förderung von Künstlicher Intelligenz für die Bundeswehr" gestellt, die im Juni beantwortet wurde. In den Vorbemerkungen der Fragesteller wird klar, dass sich die AfD eine umfassende Forschung an KI für militärische Zwecke auch in Deutschland wünscht.

Deutsche ethisch-moralische Standards werden von den NATO-Partnern hoch anerkannt. Die Fragesteller befürchten aber, dass diese Geisteshaltung die Bundeswehr und Deutschland auf Dauer zu keinem verlässlichen Bündnispartner macht und den Kampfwert der Truppe langfristig beeinträchtigt. Vielmehr ist nach Meinung der Fragesteller vorherzusehen, dass Nationen, die gegenüber der wehrwirtschaftlichen Erforschung und Nutzung von KI Vorbehalte haben, das Risiko eingehen, künftig nur über drittklassige Streitkräfte verfügen zu können. Die sich daraus ergebenden außen-, sicherheits- und verteidigungspolitischen Friktionen für Deutschland, sowohl als Bündnispartner als auch als souveräner Staat, müssen ins Kalkül gezogen werden.

In ihrer Antwort gibt sich die Bundesregierung zurückhaltend. Sie will zum Umfang militärischer KI-Forschung (im Ressort des BMVg) offenbar keine Summen nennen und geht auf die militärische Nutzbarkeit der vom BMBF finanzierten Forschung nicht ein ("Das Bundesministerium für Bildung und Forschung fördert ausschließlich Forschungs- und Entwicklungsvorhaben zur zivilen Nutzung Künstlicher Intelligenz"). Weitere Antworten werden als Verschlussache deklariert und sind somit in der öffentlich zugänglichen Antwort nicht enthalten. Einige Angaben werden dann aber doch gemacht:

Im Geschäftsbereich des Bundesministeriums der Verteidigung werden mit Bezug zur Fragestellung folgende Forschungs- und Entwicklungsvorhaben gefördert:

 

*Erzeugung eines gläsernen Gefechtsfeldes zur Unterstützung dynamischer Operationen;

*Automatische Augmented Gefechtsfeldaufklärung;

*Künstliche Intelligenz;

*Information Retrieval;

*Künstliche Intelligenz im Kontext Geoinformations-Datengewinnung.

Auf die Ergänzungen in der Antwort zu Frage 4 in der als „VS – Nur für den Dienstgebrauch“ eingestuften Anlage wird verwiesen.

Aufbauend auf der Strategie Künstliche Intelligenz der Bundesregierung vom November 2018, wird gegenwärtig in Bezug auf das Thema Künstliche Intelligenz ein Dokument für den Geschäftsbereich des Bundesministeriums der Verteidigung zur strategischen Steuerung der Aspekte der Fähigkeitsentwicklung erarbeitet...

Die Nutzbarkeit von KI ist ein Thema der Zukunftsentwicklung. In diesem Zusammenhang sind potenzielle Einsatzmöglichkeiten in komplexen militärischen Systemen und Szenarien Gegenstand laufender Forschungs- und Technologievorhaben. Ziel ist es dabei, mögliche Innovationsgewinne – u. a. effizienter Einsatz von Personal, Erhöhung der Reaktionsgeschwindigkeit sowie Beherrschbarkeit von immer größeren Datenmengen und Komplexitäten – nutzbar zu machen.

 

23. März 2019: Deutschlandfunk über Tagung der Deutschen Gesellschaft für Wehrtechnik

Die deutsche Gesellschaft für Wehrtechnik hat im März 2019 eine Tagung zum Thema "Künstliche Intelligenz in der Ausbildung - Chancen und Risiken" veranstaltet, an der auch der Journalist Peter Welchering teilnahm, der sich anschließend vom Deutschlandfunk interviewen ließ. Einleitend fasst Welchering die Anwendungsfelder der KI in der Bundeswehr zusammen:

Wir sprechen beim Einsatz von Methoden Künstlicher Intelligenz in der Bundeswehr ja von drei Bereichen: In der operativen Verwendung geht es um unbemannte Systeme, autonome Waffensysteme und Roboter. Im Bereich Aufklärung haben wir es mit Prognosen über das Verhalten gegnerischer Armeen zu tun, aber auch mit dem Erkennen taktischer Erfordernisse im Einsatz. Und für diese beiden Bereiche müssen Soldaten ausgebildet werden. Da genau liegt das primäre Interesse an Künstlicher Intelligenz in der Ausbildung, das ist hier eine Ausbildung, die die Fertigkeiten und Fähigkeiten vermittelt, mit den eingesetzten KI-Systemen umgehen zu können. Dazu kommt dann noch der KI-Einsatz im Lernmanagement, also geeignete Ausbildungsgänge für den einzelnen Soldaten vorzuschlagen, beim individuellen Lernen auch entsprechend anzupassen.

Später wird das noch etwas konkreter:

Es gibt Erfahrungen mit unbemannten Systemen bei den Gebirgsjägern. Es gibt erste Ansätze, Betriebsdaten von Waffensystemen für die vorausschauende Wartung zu nutzen. Es gibt Analysesysteme für die Aufklärung. Ende dieses Jahres, also 2019 soll endlich das Konzept „KI im Heer“ ausgearbeitet sei. Und im Jahr 2027 soll es zwei sogenannte digitalisierte Divisionen geben. Der digitale Gefechtsstand, über den wir ja in Computer und Kommunikation auch schon berichtet haben, gilt bisher nicht gerade als Erfolgsmodell.

Weil es das schon gibt und andere das entwickeln, sei auch eine lernende Auseinandersetzung mit autonomen Waffensystemen unausweichlich:

Ja klar, es gibt autonome Waffensysteme, mit denen muss man sich auseinandersetzen. Da braucht es Konzepte für die Verteidigung gegen autonome Waffensysteme. Und für diese Konzepte wiederum müssen die Methoden Maschinellen Lernens und der Mustererkennung bekannt und gelernt sein. Und dieses Wissen muss unter ziemlichen Zeitdruck in die Bundeswehr hineingebracht werden. Und da sieht man schon heute: KI-Methoden erfordern nicht nur eine Anpassung der Führungsprozesse, sondern sie werden den Alltag in der Bundeswehr massiv verändern.

11. Februar 2019: Vortragsabend von AFCEA

Der Branchenverband AFCEA veranstaltet in den Räumlichkeiten des Fraunhofer-Instituts für Kommunikation, Informationsverarbeitung und Ergonomie (FKIE) in Bonn einen Vortragsabend unter dem Titel "KI in militärischen Anwendungen". In der Ankündigung auf der Homepage des FKIE heißt es dazu:

FKIE-Institutsleiter Prof. Dr. Peter Martini wird das Thema aus wissenschaftlicher Perspektive beleuchten. Im Anschluss daran wird Brigadegeneral Dr. Michael Färber, stellvertretender Leiter der Abteilung CIT im BMVg, Anforderungen und Möglichkeiten darlegen, wo KI in militärischen Systemen aus seiner Sicht möglich und wünschenswert ist.

Nach einem Imbiss reihen sich Vortragsbeiträge des Technologiekonzerns Thales Deutschland sowie des Technologie-Dienstleisters Computacenter an, die ihre Sicht auf den Einsatz von KI und die dafür erforderlichen Rahmenbedingungen und Parameter erläutern.